Radiojod-Therapie

Die Radiojod-Therapie wird von Frau Helmich-Kapp in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Lüneburg durchgeführt. (Link zur Abteilung des Klinikums Lüneburg)

Bei welchen Erkrankungen erfolgt eine Radiojodtherapie?

Bei bereits eingetretener oder drohender Schilddrüsenüberfunktion ( Hyperthyreose) durch eine Schilddrüsenautonomie

Bei anhaltender oder wieder aufgeflackerter Schilddrüsenüberfunktion durch einen sog. Morbus Basedow nach etwa 1 jähriger medikamentöser Behandlung

Bei Schilddrüsenvergrößerung (Struma) oder Knotenbildung, besonders wenn diese Beschwerden verursachen

In der Nachbehandlung von Schilddrüsenkrebs nach vorheriger Operation

Wie wird die Radiojodtherapie durchgeführt?

Durch die einmalige Einnahme einer Kapsel, die eine individuell für den Patienten berechnete Dosis von radioaktivem Jod enthält.

Die erforderliche Radiojoddosis wird durch einen mehrtägigen ambulanten Test ermittelt, bei dem der Patient eine sehr kleine Menge des radioaktiven Jods einnimmt. Mit speziellen Geräten wird dann gemessen, wie viel davon in der Schilddrüse gespeichert wird und wie schnell der Patient das radioaktive Jod wieder abbaut.

Die Behandlung selbst darf in Deutschland nur in bestimmten Krankenhausabteilungen stationär durchgeführt werden und nicht - wie in den meisten anderen Ländern - ambulant.

Genauere Informationen zum Ablauf von Vortest und Therapie erhalten Sie hier: Patienteninformation zur Durchführung der Radiojod-Therapie

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes ist abhängig von der Schilddrüsengröße, der Art der Erkrankung und der Stoffwechselaktivität der Schilddrüse - sie ist somit von Patient zu Patient unterschiedlich. Durchschnittlich dauert der Krankenhausaufenthalt 4 Tage, mindestens jedoch 48 Stunden (gesetzlich vorgeschrieben), bei sehr großen Schilddrüsen manchmal auch mehr als 10 Tage.

Wie wirkt die Radiojodtherapie?

Das radioaktive Jod wird von Schilddrüsenzellen aufgenommen und in ihnen eine gewisse Zeit lang gespeichert. Durch eine Beta-Strahlung mit einer sehr kurzen Reichweite  werden die Schilddrüsenzellen geschädigt und später abgebaut. Dadurch kommt es zu einer Größenabnahme der Schilddrüse, zu einer verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen und somit zur Beseitigung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Radioaktives Jod wird nur von Schilddrüsenzellen gespeichert. Durch die sehr kurze Reichweite der wirksamen Beta-Strahlung von im Mittel 0,3 – 0,5 mm bleibt die Strahlenwirkung weitgehend auf die Schilddrüse beschränkt. Sie bewirkt somit keine Schädigung anderer Organe. Das nicht von der Schilddrüse aufgenommene radioaktive Jod wird sehr rasch (überwiegend über die Nieren) ausgeschieden. Dadurch bleibt die Strahlenbelastung im übrigen Körper minimal.
Die Radiojodtherapie wird seit über 60 Jahren durchgeführt, dadurch gibt es umfangreiche Erkenntnisse aus der langjährigen Nachbeobachtung von Patienten, die mit radioaktivem Jod behandelt wurden. Bei millionenfachen Behandlungen wurden dabei so gut wie keine strahlenbedingten Späterkrankungen festgestellt.

Lediglich bei extrem hoher Strahlendosis, die nur bei fortgeschrittenem Schilddrüsenkrebs zum Einsatz kommt, wurden vereinzelt bösartige Späterkrankungen beobachtet.

Welche Auswirkungen ergeben sich für meine Familie?

Da neben der wirksamen Beta-Strahlung auch eine geringe Menge weitreichender Gamma-Strahlung ausgesandt wird, bleibt der Patient für einige Tage aus seiner häuslichen Umgebung entfernt, um eine Strahlenbelastung der übrigen Familienmitglieder zu vermeiden. Dies ist auch der Grund, warum Besuche im Krankenhaus während der Radiojodtherpie im Allgemeinen nicht erlaubt sind.

Zum Zeitpunkt der Entlassung wird durch Messung der Restradioaktivität im Körper des Patienten sichergestellt, dass von ihm keine relevante Strahlenbelastung mehr ausgeht. Ein normaler Umgang mit Menschen in der häuslichen Umgebung oder im Beruf ist daher nach der Entlassung gefahrlos möglich.
Einzige Ausnahme bildet der enge körperliche Kontakt mit Babies, Kleinkindern und Schwangeren: hier wird sicherheitshalber empfohlen, noch für etwa 1 Woche eine länger andauernde unmittelbare körperliche Nähe zu vermeiden (z.B. Schlafen im gleichen Bett).

Da sich auch nach der Entlassung aus der Behandlung noch minimale Restradioaktivität im Körper befindet, wird sicherheitshalber empfohlen, eine Schwangerschaft in den ersten 6 - 9 Monaten nach Durchführung der Radiojodtherapie zu verhüten. Danach sind für spätere Schwangerschaften keine nachteiligen Folgen zu befürchten.

Welche Nebenwirkungen kann die Behandlung haben?

Die Radiojodtherapie wird in den allermeisten Fällen ohne jegliche Nebenwirkungen vertragen.

Durch die Therapiewirkung kann es bei manchen Patienten zu einer kurzzeitig vermehrten Freisetzung von gespeichertem Schilddrüsenhormon und somit zu einem Aufflackern der Schilddrüsenüberfunktion kommen, die gelegentlich auch eine nochmalige überbrückende medikamentöse Behandlung erforderlich macht.

Nur bei relativ hoher Strahlendosis, wie sie bei Schilddrüsenkrebs oder bei sehr großen Schilddrüsen zum Einsatz kommt, kann vereinzelt eine schmerzhafte Anschwellung der Schilddrüse oder der Speicheldrüsen auftreten. Dies kann durch kühlende Maßnahmen oder die vorübergehende Einnahme entzündungshemmender Medikamente behandelt werden und bildet sich rasch zurück. Bei magenempfindlichen Personen tritt vereinzelt auch eine leichte Übelkeit auf, die ebenfalls nur kurze Zeit andauert.

Bei einer bestimmten Form der Schilddrüsenüberfunktion mit Augenbeteiligung (sog. Morbus Basedow) wird durch eine begleitende Kortisontherapie eine Verschlechterung der Augensymptomatik verhindert.

Hat die Radiojodtherapie Spätfolgen?

Bei manchen Patienten entwickelt sich nach der Radiojodtherapie eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion).
Dies ist in manchen Fällen sogar ein erwünschter Effekt, um bei einer aggressiven Form der Schilddrüsenüberfunktion endgültig ein nochmaliges Aufflackern der Erkrankung auszuschließen.

Falls eine Hypothyreose eintritt, kann der Mangel an Schilddrüsenhormon sehr einfach durch die regelmäßige Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten ausgeglichen werden.

In sehr seltenen Fällen kann es nach Hochdosis-Krebstherapie (insbesondere, wenn mehrfache Behandlungen erforderlich waren) zu Blutbildveränderungen, Zweitkarzinomen oder zu einer Zeugungsunfähigkeit kommen.

Wie geht es nach der Radiojodtherapie weiter?

Um die Wirksamkeit der Radiojodtherapie zu überprüfen und die mögliche Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) rechtzeitig zu erkennen, sind nach der Radiojodtherapie regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Schilddrüse erforderlich. Diese müssen gemäß Strahlenschutzverordnung von fachkundigen Ärzten durchgeführt werden. Laborkontrollen durch den Hausarzt sind nicht auseichend.

Die Untersuchungsabstände richten sich dabei nach dem individuellen Verlauf der Schilddrüsenfunktion und umfassen Laborkontrollen und Ultraschalluntersuchungen.
Mindestens einmalig ist auch die Durchführung einer Schilddrüsenszintigrafie zur Dokumentation des Therapieerfolges erforderlich.

Da in Einzelfällen auch nach Jahren noch die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion möglich ist, sind auch langfristig jährliche Kontrollen der Schilddrüsenfunktion sinnvoll.